25.07.2012


Alpen adé

So, nichts wie raus aus den Federn, es wird bereits hell. Da ich gestern nicht mehr dazu gekommen bin, Fotos zu machen, möchte ich das an dieser Stelle nachholen.

Ich stehe direkt auf einem Weg, neben dem sich ein Weg, neben dem sich ein Holzweg befindet :-). Ach ja, und rechts von meinem Zelt hinter dem Busch ist die Bundsstraße.

Kaum habe ich 10 Minuten später das Zelt eingepackt und schiebe das Rad den Steg entlang, da kommt mir auch schon der Erste entgegen. Das ist ja gerade nochmal gut gegangen :-)!

Achja, letzte Nacht hat sich dann noch eine Schnecke zu mir gesellt ;-). Blond, top Figur – was will man mehr!

Schön wär’s, es war leider eine Nacktschnecke. Keine Ahnung wo die herkam, aber auf jedenfall war sie die Nacht mit im Schlafsack. Natürlich ist alles voll mit Schleim, von der Nacktschnecke ist nichts mehr zu sehen außer ein paar braune Spuren. Bah! Gut, dass es hier einen See gibt und ich nochmal baden kann.

Nach dem Planschen beschließe ich, den See weiter zu umrunden, da ich sowieso wieder an die Anfangsstelle zurück muss, und gestern bei der Zeltplatzsuche schon mehr als die Hälfte geschafft habe. Leider verläuft der Radweg jedoch nur auf der einen Seite vom See. Total bescheuert. Das merke ich aber viel zu spät, und weit ist es nicht mehr, also fahre ich weiter.

Leider fahre ich kurze Zeit später auf einen Tunnel zu. Außen rum kommt man leider nicht. Die Straße, auf der ich mich befinde, ist mal wieder eine dieser gefährlichen Bundesstraßen. Umkehren wäre im Nachhinein vernünftiger gewesen, aber ich fange stattdessen an, das Rad durch den Tunnel zu schieben. Neben der Fahrspur sind ca. 40 cm Platz bis zur Tunnelwand. Ich schiebe das Rad links von mir, um für den Fall der Fälle so weit wie möglich von der Fahrspur weg zu sein. Natürlich rasen wieder diverse LKW vorbei. Es ist wenig Platz und ich hab schon ein wenig Bedenken bei meiner Aktion. Aber es geht mal wieder alles gut, nach ca. 300 Metern erreiche ich das Ende des Tunnels und kurz darauf habe ich den See umrundet. Ich nehme in einer Strandbar eine Cola und 2 Baguette mit 4 Wienern zu mir.

Es ist jetzt so gegen 9:00 Uhr, und frisch gestärkt kann es nun wieder weitergehen. Ich bin gespannt was ich heute alles erleben werde :-)

Landschaftlich gibt es erstmal nicht viel Neues zu sehen. Noch immer säumen Apfelplantagen den Wegesrand. Der Baumbewuchs nimmt allerdings zu, da ich mich nur noch bei etwa 300 Höhenmetern aufhalte. Ich merke auch, dass ich die Alpen leider in Kürze verlassen werde, denn die Berge neben mir werden bereits flacher :-(.

Kurz vor 11:00 erreiche ich Borgo Valsugana. Man merkt, dass die Gebäude und die Straßenzüge ein italienisches Flair angenommen haben. Dieser Ort ist zwar klein, aber wirklich schön:

Ich falle übrigens überall wo ich auftauche auf wie ein bunter Hund. Die Leute feuern mich zum Teil sogar an, wenn ich vorbeifahre :-). Bei einem kleinen Fotostop in Borgo Valsugana komme ich mit einer italienischen Familie ins Gespräch. Ich erkläre, wo ich herkomme, wo es hingeht, und wie meine Reise bis jetzt war. Mein Vorhaben wird bestaunt und natürlich wird mein Fahrradgespann genau unter die Lupe genommen. Nach einer viertel Stunde verabschiede ich mich von den Leuten und mir wird noch eine gute Weiterreise gewünscht.

Ich fahre einen Radweg Richtung Süden aus der Stadt und bald lasse ich wieder jegliche Zivilisation hinter mir. Hier gefällt es mir ehrlich gesagt besser. Ich habe innerhalb weniger Tage die Ruhe, die Luft, die Weite, das Fehlen von jeglicher Zivilisation und Autos zu schätzen gelernt. Es geht nun auf einsamen Wegen weiter Richtung Bassano del Grappa und ich bin wieder voll in meinem Element.

Unterwegs treffe ich auf die Überreste eines alten Kalkofens. Leider habe ich im Internet keine weiteren Infos gefunden, wie alt dieser Ofen bereits ist. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass dieser noch aus der Zeit der Römer stammt.

Da der Fluss Etsch mein ständiger Begleiter ist, gibt es einige Brücken. Hier in Italien sehen die etwas wacklig aus, einige sind auch gesperrt. Diese hier ist noch befahrbar und ich nutze die Gelegenheit für ein weiteres Foto (sorry für den Störi-blick :-) ).

Ansonsten hat die Landschaft hier leider nicht mehr so viel zu bieten wie die letzten Tage. Deshalb halte ich auch hier an diesem Spiegel nochmal an und bekomme nach mehreren Anläufen ein brauchbares Foto hin:

Yeah!

Auch die erste Palme auf dem Weg Richtung Süden sehe ich während meiner Weiterfahrt:

Weiter geht’s, denn wie sagt man so schön… “Alle Wege führen nach Rom” ;-)

Hier sieht man nochmal sehr schön die Etsch, übrigens ist sie der zweit längste Fluss Italiens…

…bevor ich kurz darauf endgültig die Alpen verlasse, und mich ein letztes Mal umdrehe:

Es war wirklich toll! Der erste Teil der Tour hat sich echt gelohnt. Der Aufstieg in die Berge war hart, aber machbar, die Abfahrt war der Wahnsinn. Die Landschaft und die Radwege waren herrlich.

Zum Abschluss der Alpentour erreiche ich die Stadt Bassano del Grappa. Eine ziemliche Touristenhochburg, aber die Stadt selbst ist schon sehenswert. Das Wahrzeichen der Stadt ist die alte Holzbrücke namens Ponte degli Alpini. Diese Brücke wurde im 13. Jahrhundert erbaut.

Was übrigens auch noch interessant ist: Wer sich etwas in der Fotografie auskennt, der hat sicher schonmal vom Stativhersteller Manfrotto gehört. Dieser Hersteller ist genau hier in Bassano del Grappa ansässig. Die Welt ist klein!

Es ist nun bereits 15:30 und ich möchte heute mal einigermaßen früh das Zelt aufschlagen, um mal etwas entspannen zu können. Ich mache eine kurze Pause und finde im GPS eine vielversprechende Stelle. Der Fluss scheint an dieser Stelle recht breit zu sein und daneben liegt eine Art Park oder Wald. Außerdem ist es nicht weit von der Stadt entfernt.

Ich verweile noch kurz in der Stadt, esse bei einem Italiener, kaufe Getränke und Verpflegung für unterwegs, und schieße noch ein paar wenige Fotos von der Innenstadt:

Ich fahre Richtung Süden und peile den Spot an, der auf dem GPS so viel versprechend aussah. Und Ich werde diesmal nicht enttäuscht. Das erste mal finde ich einen richtig schönen Ort, wo man getrost auch 1-2 weitere Tage verbringen könnte. Es ist ruhig und liegt abseits von Straßen, Bahntrassen und Häusern:

Es ist kurz vor 18 Uhr und ich gehe natürlich wie immer erstmal schwimmen :-).

Danach will ich das Zelt aufbauen und (wie kann es auch anders sein), ich werde mal wieder dabei überrascht. Ich höre Stimmen. Ich verharre kniend, das Zelt steht bereits halb aufgebaut vor mir. Jetzt checke ich was los ist: 2 Angler waten durch den Fluss… und was passiert? Die bleiben natürlich genau auf meiner Höhe stehen und fangen an hier ihre Köder auszuwerfen. Sehen könnten sie mich erst, wenn sie noch ein paar Meter weitergehen. Hören werden sie mich aber bestimmt, sobald ich mit dem Zeltaufbau weitermache. Na super, da bin ich in einem Park, der sich kilometerweit neben dem Fluss erstreckt, und genau hier fangen die an zu angeln ;-).

Genau geradeaus hinter dem Busch stehen sie gerade im Wasser und brabbeln irgendwas auf italienisch:

Ich verkrümel mich erstmal und chille ein paar Meter entfernt von den beiden am Flussufer.Die Zeit vergeht, aber die beiden haben eine wahnsinnige Geduld. Irgendwann höre ich auch noch Motorenlärm, der sich nähert. Es hört sich an wie das kreischen von 20 Motorsägen gleichzeitig und wird irgendwann unerträglich. Da kommen plötzlich tatsächlich Quadfahrer aus dem Unterholz geschossen, zum Glück bleiben sie in einiger Entfernung. Sie fahren eine Weile neben und im Fluss entlang, und verschwinden zum Glück nach ein paar Minuten wieder.

Die Angler scheinen sich auf italienisch aufzuregen. Vermutlich weil der Motorenlärm die Fische verschreckt. Glücklicherweise verziehen sie sich in der Abenddämmerung und ich kann endlich mein Zelt fertig aufbauen.

Distanz: 97487 m
Maximale Höhe: 480 m
Minimale Höhe: 43 m
Total Time: 10:53:58

 

Die Landschaft wird die kommenden Tage sandig, flach und durch die fehlenden Höhenmeter und Flüsse wird es auch sehr heiß. Es gibt keine schützenden Berge mehr und es wird lange Passagen ohne Schatten geben. Ich werde auch nicht mehr jeden Tag am Fluss oder in Seen baden können. Aber es hilft ja alles nicht’s, ich leg mich erstmal ins Zelt und morgen schauen wir weiter :-)!

Morgen beginnt der zweite Teil meiner Tour: von Bassano del Grappa nach Ravenna.