21.07.2012


Anreise nach Innsbruck

So, heute geht’s endlich los! Die Alpenüberquerung mit dem Rad. Ein bisschen Schiss habe ich irgendwie schon, denn einerseits waren meine Radtouren bisher immer nur einen Tag lang, so dass ich am Ende des Tages im Normalfall in einem bequemen Bett liegen konnte. Andererseits habe ich in diversen Internetforen nichts Gutes gelesen, sobald jemand auf die Idee kam, die Alpen mit Gepäck für mehrere Wochen zu überqueren – bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass ich einen Hänger am Rad habe, der nochmal ein paar Kilo Eigengewicht hat.

Egal, ich werde es versuchen. In Internetforen wird sowieso die meiste Zeit Mist geschrieben oder irgendwas nachgeplappert. Denen werde ich schon zeigen, was mit einem Hänger so alles schaffbar ist :-)

Ich bin auf jedenfall sehr gespannt, was mich erwartet. Ich will herausfinden, ob ich die körperlichen Strapazen verkrafte. Was mir mehr Sorgen macht, ist allerdings der psychische Aspekt. Wer will schon abends allein ein Zelt irgendwo im Nirgendwo aufbauen? Finde ich wirklich immer einen Platz, wo mich keiner entdeckt? Und wer weiß schon, was sich nachts alles so für Gesindel in meiner Nähe herumtreibt! Noch dazu in einem fremden Land. Und das Wildcampen verboten ist und bestraft wird, brauche ich sicher auch nicht extra zu erwähnen. Vielleicht werde ich gleich in der ersten Nacht aufgegriffen und mein Urlaub ist damit vorbei – ich hoffe es nicht :-)

Wie auch immer, heute geht es los. Es ist 16 Uhr. Ich habe alles was ich brauche im Auto verstaut. Der Nachbar hat die Wohnungsschlüssel erhalten um meine Pflanzen zu gießen (vielen Dank hier an Sören). Ich schwinge mich in den Fahrersitz und starte den Motor.

Los geht’s!

Du wirst in diesem Blog immer mal wieder ein paar Youtube- Videos finden. Dabei handelt es sich um Musik, die ich während meiner Tour gehört habe. Entweder auf Play drücken oder ignorieren. Ich empfehle Ersteres ;-)

Als ich kurze Zeit später mit entspannter Geschwindigkeit über die Autobahn cruise, mache ich mir schon recht viele Gedanken. Es kann ja schon viel schiefgehen. Ich hoffe, dass ich nicht überlebenswichtige Gegenstände vergessen habe und vor allem hoffe ich, dass das Wetter mitspielt. Wer schonmal den ganzen Tag im Regen Rad fahren war, weiß vielleicht wie man sich danach fühlt – nur, dass ich am Ende des Tages ein Zelt im Schlamm aufbaue und dann recht nass da drin liege. Da ich nur wenig Gepäck mitnehmen konnte, hätte ich spätestens am 3. Tag kein einziges trockenes Kleidungsstück mehr. Egal, da darf man nicht drüber nachdenken. Das was ich vorhabe, ist nunmal ein Abenteuer mit einigen Unbekannten.

Außerdem gibt es immerhin eine überwiegende Anzahl von positiven Argumenten, die mich letztendlich dazu bewegt haben, diesen Urlaub zu planen und jetzt auch durchzuziehen. Ich werde die nächsten 2 Wochen absolut frei sein. Ich kann meine Zeit einteilen, wie ich es für richtig halte. Ich kann schlafen und essen wo ich will, die Natur genießen, und ich kann vor allem einfach losfahren und jeglichen Balast hinter mir lassen (außer meinen Hänger mit dem Gepäck :-) ).

Ich komme langsam aber stetig meinem Ziel – Innsbruck – näher. Nach ewigem Rumgefuchtel mit alten MP3 Usb Sticks, die mich alle nicht zufrieden stellen, gebe ich seit langem mal wieder dem Radio eine Chance. Glück gehabt! Auf einem Sender laufen sämtliche Hits aus der Zeit der “Neuen Deutsche Welle”. Ich bin eigentlich eher gar nicht für diese Musikrichtung zu haben, aber für den Moment passt es ausgezeichnet und ich drehe das Radio fast bis zum Anschlag auf :-). Langsam aber sicher kommt auch mein Kopf im Urlaub an.

Die Kilometer rauschen an mir vorbei (so ca. 100 pro Stunde), und gegen 23:30 bin ich endlich in Innsbruck. Müde bin ich leider gar nicht, macht aber nix, denn die Parkplatzsuche gestaltet sich langwieriger und nerviger als ich dachte. Mein Plan ist, die Nacht irgendwo im Auto zu schlafen, um es dann am nächsten Tag beim Flughafen im Parkhaus für die nächsten 2 Wochen abzustellen. Tja, scheiße war’s: in Innsbruck kostet tatsächlich jeder Parkplatz Geld. Und wenn man eine Stelle findet, die nicht als Parkplatz ausgewiesen ist, herrscht Parkverbot. Schöne Abzocke!

Letztendlich fahre ich wieder aus Innsbruck heraus, und finde ein paar Kilometer außerhalb eine Baustelle direkt neben der Bundesstraße. Sehr einladend ;-)… aber da ich nur ein paar Stunden schlafen will, wird das schon gehen.

Ich putze mir fix die Zähne und versuche irgendwie eine annehmbare Sitzposition zu finden. Naja, als langer Lulatsch liege ich natürlich da wie aufgebahrt, die Füße irgendwo unter den Pedalen verdreht und mir tut schon nach kurzer Zeit alles weh. So liege ich erstmal gefühlt noch ein paar Stunden wach da. Ob das so eine gute Idee war?

Es kommt noch schlimmer. Mein vermeintlicher Glücksgriff ist eine ziemlich stark befahrene Straße. Mein Auto steht zu allem Überfluss direkt am Straßenrand und ständig poltern LKW durch. Schön laut ist das hier auf jedenfall! Meiner Oma macht das bestimmt nix aus, aber ich werde hier alle 5 Minuten aus dem Schlaf gerissen. Zu allem Überdruss ist der Platz eine beliebte Wendestelle. Wie mir schon auf dem Weg durch Österreich aufgefallen ist, verwenden hier fast alle Fernlicht als Dauerzustand. Ich bin ja schon während der Fahrt fast ausgerastet deshalb. Das war ja noch gar nix – jetzt leuchten sie mir damit beim Wenden jedesmal direkt ins Gesicht. Ich habe nicht mitgezählt, aber in den folgenden 5 Stunden Schlaf (?) haben mindestens 6 Leute hier gewendet.

Ich bin echt froh, als es endlich hell wird, und der richtige Teil der Reise beginnen kann…

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